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Beziehungen zu Deutschland

28.03.2018 - Artikel

Stand: März 2018

Politische Beziehungen

Die deutsch-isländischen Beziehungen sind ausgezeichnet und vielfältig in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Tourismus. 2017 begingen Deutschland und Island das 65-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Island arbeitet mit Deutschland politisch eng zusammen, vor allem in den Vereinten Nationen und der NATO. Das Verhältnis ist geprägt durch gemeinsame Werte und Übereinstimmung in vielen aktuellen Fragen der internationalen Politik. Deutschland gehört für Island zu den zentralen Gesprächspartnern in Europa. Bundesregierung und Bundestag unterstützen den EU-Beitrittsantrag Islands, sofern ISL die Mitgliedschaft wünscht und die Voraussetzungen für einen Beitritt vorliegen.

Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland und Island sind im Europäischen Wirtschaftsraum verbunden und haben enge Wirtschaftsbeziehungen. Mit der Erholung der isländischen Wirtschaft  stieg auch das Handelsvolumen 2015 wieder leicht an (2014: 781,8 Mio. €, 2015: 912,3 Mio. €). Deutschland importierte aus Island Güter im Wert von 520,7 Mio. € (2014: 474 Mio. €) und exportierte nach Island Waren im Wert von 391,7 Mio. € (2014: 307,8 Mio. €). Island liefert zu über 92% verarbeitete Produkte, v.a. Metalle, und Nahrungsmittel. Deutschland exportiert mit 42% überwiegend Kfz und Maschinen. Unter den Bestimmungsländern deutscher Ausfuhren belegt Island Platz 78 (von 239) und bei den Ursprungsländern deutscher Einfuhren ebenfalls Platz 78. (Zahlen: Statistisches Bundesamt)

Laut isländischer Statistik lag Deutschland 2015 bei den Importen an zweiter Stelle nach Norwegen und knapp vor den USA und Dänemark sowie an vierter Stelle nach den Niederlanden, Großbritannien und Spanien bei isländischen Exporten gefolgt von den USA und Frankreich. Die Fischverarbeitung in Bremerhaven und Cuxhaven ist auf den Import isländischer Frischfische angewiesen; zunehmend werden Frischfisch und Fischereiprodukte per Luftfracht nach Deutschland importiert.

Die Repräsentanz der deutschen Wirtschaft  in Island bildet mit 67 Mitgliedsunternehmen aus sämtlichen Branchen in beiden Ländern ein Netzwerk zur Förderung der wirtschaftlichen Kooperation.

Es bestehen zahlreiche Flugverbindungen zwischen Island und deutschen Städten. Mit fast 133.000 Islandreisenden im Jahr 2016 sowie im Hinblick auf Aufenthaltsdauer/Übernachtungszahl in Hotels liegen deutsche Besucher hinter den USA und Großbritannien auf Platz 3. Insgesamt besuchten über 2 Millionen Touristen Island im Jahr 2017 – so viele wie noch nie. Gleichzeitig stellt auch Deutschland für Isländer ein attraktives Reiseziel dar: Im Jahr 2013 besuchten ca. 35.000 Isländer die Bundesrepublik Deutschland.

Kultureller Austausch

Die deutsch-isländischen Kulturbeziehungen reichen über tausend Jahre bis zur Christianisierung Islands zurück. Island war bis 1103 dem Erzbistum Hamburg-Bremen unterstellt. Der erste isländische Bischof wurde in Bremen geweiht. Mit dem Islandhandel deutscher Hansekaufleute im 16. Jahrhundert kamen auch Buchdruckerkunst und Impulse der Reformation nach Island. Der erste Druck einer isländischen Schrift fand in Hamburg statt sowie die Verschiffung der ersten Druckpresse nach Island.

Im 19. Jahrhundert gab es enge Kontakte zwischen führenden deutschen Persönlichkeiten der altnordischen Germanistik (Übersetzer der Edda und der Sagas) und Initiatoren der isländischen Unabhängigkeitsbewegung sowie stärkeren literarischen Austausch (Romantiker). Der Rechtshistoriker Konrad Maurer (1823-1902) nahm bereits Mitte des 19. Jahrhunderts im damaligen Verfassungsstreit mit Dänemark zugunsten Islands Stellung, bereiste 1858 das Land und Veröffentlichte erstmals  isländische Volkssagen in Deutschland. Im 20. Jahrhundert verstärkte sich der Kulturaustausch nicht zuletzt durch zahlreiche prominente isländische Kulturschaffende mit Deutschlanderfahrungen, darunter Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness. Einen starken Einfluss auf die isländische Gesellschaft übten auch die ab 1949 für die isländische Landwirtschaft angeworbene deutschen Frauen aus. Sie waren bis Ende der 1990er Jahre die größte Einwanderungsgruppe in Island.

Heute gestaltet sich der Austausch in Literatur/Sprache, bildender und darstellender Kunst, Musik und Wissenschaft sehr rege und vielfältig. Beispielhaft dafür können die folgenden Veranstaltungen genannt werden: 2011 trat Island erfolgreich als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Motto "Sagenhaftes Island" auf und präsentierte sich mit über 200 Neuerscheinungen und Übersetzungen, darunter auch eine Neuübersetzung der Sagas. Nobelpreisträgerin Herta Müller, Jenny Erpenbeck und andere deutsche Autoren nahmen ab 2011 am internationalen Literaturfestival Reykjavíks teil. Seit 2011 werden jährlich im März deutsche Filmtage in Island veranstaltet. Beim Internationalen Filmfestival im Oktober 2012 lag der Fokus auf deutschen Filmen. Im November 2012 besuchten die Berliner Philharmoniker zum ersten Mal Island und gaben ein Konzert in der Reykjavíker Harpa. Im August 2013 fand in Berlin die Islandpferde-WM statt. Vom 4. Mai bis 29. Juni 2014 zeigte die Kunsthalle Recklinghausen anlässlich der Ruhrfestspiele die Ausstellung: „SAGA – Island: Wenn Bilder erzählen“. 2015 erhielt die deutsche Regisseurin und Filmemacherin Margarethe von Trotta einen Sonderpreis des Reykjavik International Filmfestival (RIFF) für ihr Lebenswerk. 2017 wurde Werner Herzog geehrt. 2016 traten deutsche Jazzmusiker, darunter Julia Hülsmann, beim Reykjaviker Jazzfestival auf.  Kurz nach ihrer Eröffnung 2017 fand in der Elbphilharmonie das „Into Iceland-Festival“ statt.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist durch eine an die Universität Island entsandte Deutsch-Lektorin vertreten. Das Goethe-Institut fördert die deutsche Sprache in Island und den deutsch-isländischen Kulturaustausch. Seit der Schließung des Goethe-Instituts Reykjavík 1998 wird Island vom Goethe-Institut in Kopenhagen betreut. Die Bibliothek Hafnarfjörður erhielt die Bestände des Goethe-Instituts und wird von diesem durch regelmäßige Stiftung neuer Bücher und Filme unterstützt.

Zu den weiteren Trägern der Kulturbeziehungen gehören die Germanistische Abteilung der Universität Islands, der isländische Deutschlehrerverband (Deutsch ist Wahlfach an Sekundarschulen), die aktive Städtepartnerschaft Hafnarfjörður-Cuxhaven, das Deutsch-Isländische Netzwerk in Reykjavík, der Deutsch-Isländische Freundeskreis Südisland in Selfoss, die ehemaligen Humboldt-Stipendiaten in Reykjavík sowie mehrere Deutsch-Isländische Gesellschaften in Deutschland. Mit isländischer Kofinanzierung wurde an der Humboldt Universität Berlin im März 2002 ein Lektorat für Isländisch eingerichtet. Auch andere deutsche Universitäten bieten Isländisch an. Im März 2017 warb  das „Deutschmobil“ an über 20 Schulen im Lande für Deutsch.

Seit den ersten Islandreisen deutscher Naturwissenschaftler im 19. Jahrhundert wie Robert Bunsen (Islandaufenthalt 1846, Erklärung des Geysir-Phänomens) hat sich die wissenschaftliche Zusammenarbeit stark entwickelt und erstreckt sich heute auf Gebiete der Meeres- und Arktisforschung bis hin zur Rechtswissenschaft.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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